Digitalisierung - Heile Neue Welt?

Freising - Der rasche Wandel in der Informationstechnologie, speziell der Einsatz künstlicher Intelligenz, führe zu einer jetzt schon absehbaren epochalen Umbruchphase. Das sagte Franz Hofmaier, langjähriger IT-Systemplaner in der Automobilindustrie, bei einem Vortragsabend auf Einladung der Freising ÖDP.

Dem Fortschritt stellte Hofmaier die zu befürchteten Risiken gegenüber. Die zentrale Frage lautete: "Ist all das, was uns als smart verkauft wird, für die Menschheit auch wirklich ein Segen oder sind damit auch absehbare Gefahren verbunden?"

Der Referent erläuterte zunächst die Entwicklungen im IT-Bereich und die gigantische Leistungszunahme moderner Rechner. Das Modell Meggie, Baujahr 2016, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen sei sieben Billionen Mal schneller als das Modell Zuse (1962), etwa 15 000 Mal schneller als ein Smartphone und 2000 Mal fixer als ein guter PC.

Deutschland sei nach internationaler Einschätzung nur Mittelmaß beim aktuellen IT-Standard.

Und speziell in Bayern sieht es nach Ansicht Hofmaiers noch schlechter aus: Die ländliche Region ist stand heute vom schnellen Internet in vielen Gegenden abgeschnitten und auch beim Ausbau moderner Mobilfunknetzte (G5-Standard) hinke man weit hinterher. „Ohne diese neue Technologie flächendeckend verfügbar zu machen, wird es aber in Bayern beispielsweise kein Autonomes Fahren geben“ , so Hofmaiers Warnung.

Digitaler Wandel braucht nach Aussagen des Experten digitale Infrastruktur, also Glasfaser. Bei der durchschnittlichen Netzgeschwindigkeit liege die Bundesrepublik mit 15 Mbit pro Sekunde weltweit auf Platz 25 - und damit hinter Bulgarien und Rumänien. Ein kompletter Glasfaserausbau für alle deutschen Haushalte würde laut Berechnungen aus dem Jahr 2013 (TÜV Rheinland und Technische Universität Dresden) rund 93 Milliarden Euro kosten und 15 Jahre dauern. Allein in Bayern müssten für eine flächendeckende Ausweitung 10,9 Milliarden Euro ausgegeben werden. Derzeit sei das Ziel nur 50 Mbit/Sekunde, und das meist mit VDSL statt Glasfaser. Deshalb fordert die ÖDP: Keine weitere Erteilung von Förderbescheiden im Rahmen des bayerischen Landesförderprogrammes, stattdessen ein Glasfaser-Förderkonzept, denn mittel- und längerfristige Versorgungs- und Qualitätsziele würden fehlen. Für das flache Land müssten Prioritäten geschaffen werden: die Förderung von Betreibermodellen bei stärkerer Einbindung der öffentlichen Hand.

Für den Bereich digitaler Wandel und Arbeitswelt zitierte der Referent aus der von McKinsey 2015 erstellten Studie "Bayern 2025": Zukunftsfähigkeit nur Mittelmaß im internationalen Vergleich, Einkommensspreizung zu hoch, Bildungs-Durchlässigkeit und Innovationskraft zu niedrig. Folglich gebe es auch zu wenig Unternehmensgründungen.

Im Themenfeld „ditigitales Lernen“, dem die ÖDP speziell bei jüngeren Kindern im Grundschulalter kritisch gegenübersteht („Recht auf analoge Kindheit“), warnte Hofmaier vor einem erneuten Abzocken der Kommunen. Denn die von der bayerischen Staatsregierung für die Ausstattung der Schulen veranschlagten 5 Mrd. Euro, seien „nie und nimmer“ ausreichend: Das daraus resultierende „immense“ Kostenrisiko würde auch hier wieder auf die zuständigen Sachaufwandsträger, nämlich die Kommunen, abgewälzt, was nicht hinnehmbar sei.

Breiten Raum nahm das Thema künstliche Intelligenz ein. "Bleiben beim intelligenten Sammeln und Nutzen von Daten letztlich unsere Grundrechte auf der Strecke?", war eine zentrale Frage. Laut Hofmaier bestehen starke wirtschaftliche Anreize, die Entwicklung neuer Technologien möglichst schnell voranzutreiben, ohne dass Zeit für teure Risikoanalysen verloren geht. Diese ungünstigen Rahmenbedingungen erhöhten das Risiko, "dass uns die Kontrolle über Künstliche-Intelligenz-Technologien und deren Verwendung mehr und mehr entgleiten wird".

Als Schlusswort zitierte Hofmaier Papst Franziskus: "Der Mensch muss die technologische Entwicklung bestimmen, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen."

 

Stellv. Bezirksvorsitzender Franz Hofmaier (l) mit ÖDP Landtagsdirektkandidaten Felix Bergauer (r)

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