Für eine Neuorientierung der Verkehrsplanung in Freising

Leserbrief vom 22.11.2007
zum Leserbrief "Vielleicht lässt uns die Evolution Flügel wachsen" von Johannes Moosreiner

Herzlich willkommen in zurück in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, Herr Moosreiner! Denn aus dieser Zeit stammt die in Sachen Westtangente völlig verkorkste Freisinger Verkehrsplanung, die sie als Lösung anpreisen. Vielleicht ist es an Ihnen ja vorbeigegangen, aber bereits mehr als ein Viertel des Freisinger Stadtrates hat die aktuelle Planung der Westtangente abgelehnt. Und das im wesentlichen aus drei Gründen:

1. Laut den offiziellen, aktuellen Verkehrsprognosen der Stadt Freising bringt die Westtangente wegen ihrer verkehrsanziehenden Wirkung keine dauerhafte Entlastung für die Freisinger Innenstadt. Bestes Beispiel dafür ist die "Karlwirtkreuzung", wo schon in 13 Jahren ­ mit Westtangente ­ annähernd genaus soviele KFZs täglich fahren sollen, wie heute ohne Westtangente. Nämlich knapp 20.000.

2. Inzwischen auch von den Befürwortern nicht mehr geleugnet wird der Hauptzweck der Westtangente, nämlich die Flughafenerschließung von der Nürnberger Autobahn. Weniger offen wird hingegen über die extrem verkehrsanziehende Wirkung und die steigende Anzahl "mautflüchtiger" LKW geredet, die schon heute über Freising zwischen der Nürnberger und der Deggendorfer Autobahn abkürzen. Mit der Westtangente würden es viele Tausend zusätzlicher LKW sein, die Ihre Schadstoffe - hauptsächlich den gefährlichen Diesel-Ruß und -Feinstaub - über dem westlichen Freisinger Stadtgebiet ausstoßen. Die bei uns vorherrschende Westwindlage erledigt dann das übrige und verteilt den Dreck über dem gesamten Stadtgebiet.

3. Kostenmäßig werden die offiziell veranschlagten 70 Mio. EURO, auch wegen des "immer länger werdenden" Tunnels ­ nicht ausreichen. Zudem ist die nach wie vor noch genährte Hoffnung, der defizitäre Landkreis oder gar die hoch verschuldete Stadt könnten einen wesentlichen Teil dieser gigantischen Summe stemmen, vollkommen unrealistisch. Verbindliche Zusagen vom Freistaat gibt es ebenfalls nicht; nicht einmal ­ wie sonst üblich ­ als Köder für eine Duldung der der dritten Startbahn!

Müssen sich also die gut 25% von Stadträten, die sich - fraktionsübergreifend - dieser Argumentation angeschlossen und dem Unfug folgerichtig nicht zugestimmt haben, wirklich als "Exoten" beschimpfen lassen? Oder, sind nicht viel mehr all jene, die die Westtangente - nachdem sie diese Argumente hier gelesen haben - immer noch uneingeschränkt fordern, einfach nur naiv?

Sylvia Fiegert

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